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Raus aus der Sackgasse

Sonntag, den 11.12.11

Die klassische Landwirtschaft befindet sich in einer Sackgasse. Das sieht man besonders in aufstrebenden Gesellschaften wie Indien oder China. Auf der einen Seite haben hier Menschen, aufgrund von Fehlernährung und mangelnder Bewegung, mit Fettleibigkeit zu kämpfen und auf der anderen Seite müssen Menschen in diesen Schwellenländern Hunger leiden. Viele internationale Konferenzen haben hier nichts ändern können. Die Zahl der Hungernden sinkt nicht. Der Weltagrarbericht geht hier neue Wege.

Das Einschlagen von neuen strategischen Wegen, um den Hunger zu bekämpfen, wird auch noch durch viele falsche Vorstellungswelten erschwert. Immer wieder findet man in den Medien Thesen, die die sogenannte Überbevölkerung für den Hunger verantwortlich machen. Hier gilt es klar Position zu beziehen. Es wird auf dieser Erde genügend produziert, um die Menschheit zu ernähren. Wir haben kein quantitatives Problem. Es liegt schlicht am fehlenden politischen Willen hier etwas zu ändern.

Der Weltagrarrat setzt hier klar andere Sichtweisen. Er hat von 2002 bis 2008 einen wissenschaftlichen Bericht erarbeitet, wie die Welt auch im Jahr 2050 noch zu ernähren ist, ohne die biologische Vielfalt zu zerstören und die soziale Balance zu wahren. Der Weltagrarrat ist vergleichbar dem Weltsachverständigenrat zum Klimawandel, dem IPCC. Die UNESCO war neben der Weltbank, der FAO und UNEP eine der UN-Organisationen, die den Bericht in Auftrag gegeben hatte.

Bei der Verfassung des Weltagrarberichts haben neben UN-Organisationen, auch 60 Regierungen und mehr als 400 Wissenschaftler, NGOs und Unternehmensvertreter aus aller Welt mitgearbeitet. Der Bericht ruft dazu auf, die Landwirtschaft grundsätzlich anders zu gestalten, damit der Preisanstieg für Lebensmittel beendet wird und Hunger und negative Umweltfolgen minimiert werden. Die heute übliche industrielle Landwirtschaft braucht hohen Einsatz von Energie, Dünger und Pestiziden und ist, dem Bericht zufolge, nicht mehr zeitgemäß.

Dagegen sind aus der Sicht des Weltagrarberichts kleinbäuerliche und ökologische Anbaumethoden und Strukturen zu stärken. Sie führen heraus aus der Tretmühle der industriellen Landwirtschaft. Dabei muss der Hunger vor Ort bekämpft werden. Das praktische bäuerliche Wissen ist mit dem theoretischen Wissen der Agrarexperten zu verzahnen. Zudem darf nicht, wie bisher die Lösung als erstes auf der Bühne stehen, sondern zunächst gilt es die Probleme die zu überwinden sind zu definieren. Dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass bisherige statistische Grundlagen wie das Bruttosozialprodukt mindestens zu ergänzen sind. Last but not least, das haben schon die Erfahrungen mit den Mikrokrediten gezeigt, sind die Stärkung von Frauenkompetenzen der entscheidende Schlüssel zur Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

www.agarbericht.de

Georg Lutz ist Politologe und lebt in Freiburg.